Gott meint es gut

Psychotherapie und Seelsorge in einer digitalisierten Welt

Würzburg: „Was ich hier mitnehmen konnte, ist überwältigend“, erklärte ein Psychiater am Ende des 10. Kongresses der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge und ein Arzt lobte die große Vielfalt der Angebote. 850 Teilnehmer hatten sich vier Tage lang mit den Bedingungen für den psychotherapeutischen und seelsorgerlichen Umgang mit Patienten in einer digitalisierten Welt beschäftigt. In über 100 Vorträgen und Seminaren hatten Fachleute Gefahren und Chancen der Digitalisierung diskutiert. 10 % der Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren unter 30 Jahre alt.

In den Plenumsreferaten sprachen Fachleute aus dem Bereich Digitalisierung wie Prof Dr Helmut Roderus (Ansbach) und Professor Harald J. Bolsinger (Würzburg). Während Roderus die über die Möglichkeiten der Digitalisierung referierte, sprach Bolsinger über die Ethik in der digitalisierten Welt. Dr Wolfgang Stock (Berlin) und Eberhard Freitag (Hannover) reflektierten die Praxis aus der Sicht eines Kommunikationsberaters und des Leiters einer Beratungsstelle Mediensucht. Stock bedauerte die wachsende Uninformiertheit viele Menschen, trotz oder wegen einer immer mehr zunehmenden Informationsflut. Er hielt sich jedoch nicht mit dem Bedauern auf. Niemand liebe Veränderungen und doch sei die Gegenwart von rasanten Veränderungsprozessen geprägt.

Einen Einblick in die Möglichkeiten der Therapie via Internet gab die Berliner Professorin für Klinisch-psychologische Intervention Dr. Christine Knaevelsrud. Am Beispiel einer arabischsprachigen Internettherapie beeindruckte sie die Zuhörer mit den Chancen, die sich durch eine solche ortsungebundene Therapie ergeben.

Theologische Impulse kamen von Prof Dr. Matthias Clausen (Marburg, „Ich poste, also bin ich?“) und von Dr. Mihamm Kim-Rauchholz, Professorin an der Hochschule für Mission in Bad Liebenzell. Sie eröffnete die Tage mit Andachten, die aufmerksame Zuhörer fanden. Ein allgemeiner Gottesglaube sei ambivalent, weil er offen lässt, ob man diesen Gott fürchten oder lieben muss. Entscheidend ist daher die Offenbarung Gottes in Jesus Christus. In ihm wird eindeutig sichtbar, dass Gott vertrauenswürdig und den Menschen gut gesonnen ist. Sie betonte, dass in einer sich rapid wandelnden Welt gilt, was Paulus im Römerbrief formulierte. „Ich bin gewiss, dass nichts uns scheiden kann von der Liebe Gottes“.

Für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer war ein Konzert mit Dieter Falk ein besonderer Leckerbissen. Am Flügel begeisterte er mit klassischen und modernen Kirchenliedern, teils improvisiert, ausgewählt auf Zuruf der Besucher. "Wie bei einem Familientreffen" empfand jemand den Abend.

Am Rande des Kongresses hatte eine Gruppe von 170 Demonstranten aus dem Spektrum der linksalternativen Szene gegen den Kongress protestiert. Sie vermuteten fundamentalistische und homophobe Ziele dieses Kongresses. Von Seiten der APS und der Teilnehmenden wurde mit Unverständnis und Bedauern auf diese Gleichsetzung von christlichen Werten und diskriminierenden Einstellungen reagiert. Die APS versteht sich als Gesprächsplattform für christliche TherapeutInnen und SeelsorgerInnen aller Konfessionen und sieht eine ihrer wichtigsten Aufgaben gerade darin, Toleranz und gegenseitiges Verständnis zu fördern.

Dr. Martin Grabe, der Vorsitzender der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge, rief die Teilnehmer in seinem Schlusswort auf, ohne Angst die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, ihr gleichzeitig angemessene Grenzen zu setzen und mit Gottvertrauen in die Zukunft zu gehen.

Der nächste Kongress findet 2021 statt.

Frank Fornaçon

 

Zurück