Die nächste Generation gewinnen

Psychotherapie und Seelsorge in einer digitalisierten Welt

Würzburg: „Viele junge Psychotherapeuten, Psychologen und Mediziner interessieren sich für das Zusammenspiel von Spiritualität und ihrer beruflichen Praxis.“ Davon ist der 2. Vorsitzende der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS), der Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr Rolf Senst, Egenhausen, überzeugt. Er freute sich über zahlreiche Studierende und junge Kolleginnen und Kollegen, die am 10. Kongress der APS in Würzburg teilnahmen.

Einer von ihnen ist Diplom-Psychologe und Psychotherapeut an einer Klinik in Oberfranken. Begeistert von der Psychotherapie ist er seit seinem Zivildienst in einer christlichen Klinik im Harz. Er liebt es, nahe am Menschen zu arbeiten und jeden Patienten in seiner Einzigartigkeit zu erleben und Weiterentwicklung zu fördern.

„Aus meiner Sicht gibt es keine Psychotherapie, die frei ist von Welt-Anschauung, der des Therapeuten und der des Patienten“, meint der junge Therapeut. „Sie basiert immer auch auf Grundhaltungen und Grundannahmen. Diese prägen, wie ich als Therapeut und wie das Gegenüber die „Welt anschauen“. Nur ist es wichtig, dies auch zu reflektieren und angemessen damit in der Therapie umzugehen.“

Darum sucht er den Austausch mit Fachkolleginnen und Kollegen und hat sich an der Vorbereitung des Würzburger Kongresses beteiligt. „Man muss intellektuell redlich der Frage nachgehen, wie sich diese Überzeugungen positiv und negativ auswirken.“ Wenn man das mit den Kollegen in der Theologie und Philosophie diskutiert, gewinnt man enorm.“ Er freut sich, dass dieses Gespräch in der APS führen zu können, denn das sei außerordentlich ermutigend. „Auch bei vielen anderen Kongressteilnehmern habe ich ein großes Interesse an einer ehrlichen Auseinandersetzung mit diesen Fragen erlebt und darf kluge Gedanken mitnehmen.“

„Als wir vor 19 Jahren die APS gründeten, taten wir das in einer Aufbruchstimmung. Wir wollen – und wollen bis heute – den scheinbaren Gegensatz von christlichem Glauben und der psychotherapeutischen Praxis überwinden. Für viele unserer Patienten ist der Glaube eine wichtige Ressource, um gesund zu werden. Andere leiden unter einem negativen Gottesbild und brauchen dringend eine lebensbejahende Alternative.“ Senst, heute Chefarzt in einer Fachklinik im Nordschwarzwald, wünscht sich, dass das Thema auf der Höhe wissenschaftlicher Diskussion und lebendiger Forschung auch in der nächsten Generation weiter behandelt wird.

Olaf Kormannshaus, als Diplom-Psychologe und Theologe jahrzehntelang an einer Hochschule tätig, ist Kassierer der APS. „Wir bieten Studierenden unter 25 Jahren eine dreijährige kostenlose Mitgliedschaft an. Wir sind sicher, dass die jungen Mitglieder nach dieser Zeit von den Vorzügen überzeugt sind.“ Neben finanziellen Vergünstigungen ist die Vernetzung mit Fachkolleginnen und Kollegen des entscheidende Vorteil, ist der in Berlin lebende Kormannshaus überzeugt. Darum werden interessierte Einsteiger im Herbst zu einem Vernetzungstreffen nach Oberursel eingeladen.

Frank Fornaçon

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