Hoffnung auf Veränderung – mit Growth Mindset zu Wachstum und Resilienz

Veränderung und Wachstum sind möglich, wenn Menschen daran glauben, dass sie Fähigkeiten entwickeln, aus Fehlern lernen und im Zweifel ganz neu anfangen können. Besonders in der Erziehung, aber auch in Therapie und Seelsorge ist dieses Wachstumsdenken eine wichtige Ressource.


Was ist ein Growth Mindset?

Die Psychologin Carol Dweck beschreibt in Ihrem Buch Mindset: The new psychology of success (2006) zwei Grundhaltungen: Menschen mit einem Fixed Mindset glauben, dass Fähigkeiten weitgehend angeboren und unveränderlich sind. Erfolg bestätigt dann das eigene „Talent“, Misserfolg wird als persönliches Versagen erlebt. Herausforderungen werden eher gemieden, Fehler versteckt, Risiken gescheut. 

Menschen mit einem Growth Mindset gehen dagegen davon aus, dass Fähigkeiten durch Übung, Ausdauer, Feedback und Lernen wachsen können. Fehler gelten als Lernchancen, Anstrengung als sinnvoller Weg zum Wachstum. Das führt zu mehr Motivation, Durchhaltevermögen und Resilienz in schwierigen Situationen. Niemand hat nur ein einziges Mindset – je nach Lebensbereich können wir eher statisch oder eher wachstumsorientiert denken. Und ein Growth Mindset ist erlernbar.

Forschungsergebnisse zum Growth Mindset

Studien zeigen, dass ein Growth Mindset mit besserer Lernmotivation, höherem Durchhaltevermögen und mehr psychischer Widerstandskraft verbunden ist. Kinder, die für Anstrengung statt für Intelligenz gelobt werden, suchen eher Herausforderungen, bleiben bei Schwierigkeiten dran und erleben Misserfolge als Teil des Lernprozesses. 

Workshops, in denen Schülerinnen und Schüler lernen, dass sich das Gehirn durch Übung verändert, führen nachweislich zu besseren Leistungen. Menschen mit Growth Mindset nehmen eher Feedback an, nutzen andere als Ressourcen und berichten über weniger Stress und eine bessere psychische Gesundheit; ein Fixed Mindset begünstigt dagegen Vermeidung und Selbstsabotage. 

Wachstum im Glauben 

Die Prinzipien des Growth Mindsets passen gut zu biblischen Bildern von Wachstum: Glaube wird als Weg verstanden – als Prozess der Annäherung an Christus. Prüfungen können zu einem bewährten Glauben führen; geistliches Leben wird als reifende Frucht beschrieben. 

Menschen sind im Bilde Gottes geschaffen – mit großem Potenzial zur Transformation. Ein Fixed Mindset („So bin ich eben“) widerspricht dieser Sicht; ein Growth Mindset nimmt ernst, dass Gott uns in einen lebenslangen Prozess der Verwandlung ruft. Vergebung, Gnade und Umkehr laden ein, aus Fehlern zu lernen und im Vertrauen auf Gott weiterzuwachsen. 

Growth Mindset in der Erziehung 

Kindheit und Jugend sind prägend für die Ausbildung unserer Mindsets. Verhalten und Sprache von Eltern und Lehrkräften spielen eine große Rolle: Lob für Anstrengung, gute Strategien und Ausdauer fördert ein Growth Mindset; der Fokus auf „Talent“ eher ein Fixed Mindset und Angst vor dem Scheitern. 

Schulen, die Fehler als Lerngelegenheiten sehen und metakognitive Strategien fördern, stärken Neugier, Mut zu Herausforderungen und eine Haltung, in der Fortschritt wichtiger ist als Perfektion. Das unterstützt nicht nur akademische Leistung, sondern auch emotionale und soziale Reifung. 

Growth Mindset in Psychotherapie und Seelsorge 

In Therapie und Seelsorge ist die Grundannahme zentral, dass Wachstum möglich ist. Ein Growth Mindset weckt Hoffnung: Auch tief verwurzelte Muster können sich verändern; Menschen sind lernfähig, können neue Strategien erwerben und mit Belastungen anders umgehen. 

Die Forschung, sowie die therapeutische Erfahrung zeigen, dass selbst nach schweren Lebensereignissen – bei aktiver Auseinandersetzung – persönliches Wachstum und ein bewussterer Umgang mit Werten, Stärken und Grenzen entstehen können („posttraumatisches Wachstum“). Umgekehrt kann ein Fixed Mindset („Ich bin ein hoffnungsloser Fall“) zu Stillstand und Hilflosigkeit führen. 

Schlussfolgerung 

Ein Growth Mindset kann erlernt werden und eröffnet eine verändernde Sichtweise auf Wachstum, die weit über Leistung hinausgeht. Es hilft, Fähigkeiten, Beziehungen und Glaubensleben in einem dynamischen Prozess der Entwicklung zu sehen. In Erziehung, Psychotherapie, Seelsorge und Alltag fördert es Resilienz, Durchhaltevermögen und eine nachhaltigere Lebensweise. 

Auch für Christinnen und Christen ist ein Growth Mindset anschlussfähig: Wenn wir Herausforderungen mit Gottes Hilfe und in Beziehung zu anderen mutig annehmen, kann daraus persönliches und geistliches Wachstum entstehen – das Leben wird zu einer kontinuierlichen Reise des Lernens, Wachsens und Heilens.

Dr. med. Luca Hersberger ist verheiratet, Vater von vier Kindern und lebt mit seiner Familie in Bettingen bei Basel. Er ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und zertifizierter Schematherapie-Trainer und -Supervisor. Außerdem ist er Teil des Vorstandes der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge. Er ist Chefarzt der Klinik SGM Langenthal und gibt Schematherapie-Supervisionen, hält Referate und Workshops und lernt gern Neues dazu.

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